Freiehilfe Berlin

Mit den Jahren der Haft werden Besuche seltener

08

Nov 18

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Mit den Jahren der Haft werden Besuche seltener

 

Ein Praxisbeispiel: Wie der Verein FREIE HILFE BERLIN e.V. Haftinsassen mit ehrenamtlicher Vollzugshilfe unterstützt und ehrenamtliche Vollzugshelfer betreut

 

Der FREIE HILFE BERLIN e.V. betreut seit 25 Jahren ehrenamtliche Vollzugshelferinnen und -helfer. Im Laufe der mehrjährigen Haftstrafen erhalten Insassen seltener Besuche und verlieren dadurch die Gelegenheit, ihre Vorstellungen bezüglich der Welt hinter den Gefängnismauern zu revidieren. Dies verhindern die rund 150 ehrenamtlichen Vollzugshelferinnen und -helfer, die aktuell an den Verein angebunden sind.

 

Die Ehrenamtlichen treten das freiwillige Engagement aus unterschiedlichen Beweggründen an. Besonders häufig geben ihnen Kontakte zu straffällig gewordenen Menschen im beruflichen oder privaten Kontext den Anstoß für die Aufnahme des Ehrenamts. Dabei bemerkten sie, dass viele Gefangene die schwierige Situation der Inhaftierung, mit allen Folgen für das Leben nach der Haft, nicht alleine bewältigen können. Aus diesem Grund sprechen Vollzugshelferinnen und –helfer mit den Inhaftierten über mögliche Perspektiven. Im Mittelpunkt steht, künftig ein Leben zu führen, das möglichst frei von Straftaten ist. Erfolge werden im Verlauf der Unterstützung im Vollzug durchaus in Form von Hafterleichterungen sichtbar.

 

Während der regelmäßig stattfindenden Besuche in den Justizvollzugsanstalten lernen zugleich die Ehrenamtlichen die meist prekären Biografien der Gesprächspartner kennen. Deshalb werden die angehenden Vollzugshelferinnen und -helfer schon vor Beginn der Insassenbesuche in einem Einführungskurs vorbereitet. Während der Betreuung der Inhaftierten steht ihnen ein umfassendes Schulungsprogramm zur Verfügung. In den Veranstaltungen teilen Referenten ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der Straffälligenhilfe. Darüber hinaus haben Helferinnen und Helfer die Möglichkeit, sich bei Treffen über eigene Erfahrungen auszutauschen und bei der Supervision entstandene Aspekte zu besprechen. Das zentrale Qualitätsmerkmal ist jedoch, schnell auf Fragen und Probleme der Engagierten zu reagieren und fachkundig zu beraten. Dadurch wird eine intensive Betreuung der Ehrenamtlichen sichergestellt.

 

KRISTIN SCHÜTZA, FREIE HILFE BERLIN E. V.